Werner schreibt:
"Ist der Mensch nicht Teil der "Naturwelt" und ist nicht jedes Lebewesen um seiner selbst willen (!) zu schützen?"
Es ist historisch bedingt, dass wir das in den letzten Jahrhunderten anders gesehen haben: Im Mittelalter wurde auf einem kirchlichen Konzil ein Paradigmenwechsel beschlossen. Vor diesem Wechsel wurde den Dingen auch eine Wesenheit zugeordnet.
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Werner schreibt:
"Ist der Mensch nicht Teil der "Naturwelt" und ist nicht jedes Lebewesen um seiner selbst willen (!) zu schützen?"
Es ist historisch bedingt, dass wir das in den letzten Jahrhunderten anders gesehen haben: Im Mittelalter wurde auf einem kirchlichen Konzil ein Paradigmenwechsel beschlossen. Vor diesem Wechsel wurde den Dingen auch eine Wesenheit zugeordnet.
Zum Beispiel war die Venus für die alten Griechen nicht nur ein Planet, sondern gleichzeitig auch eine Göttin. Genauso haben für Naturvölker ein Wald, ein Fluss, ein Berg, etc. nicht nur einen Nutzen, sondern auch einen Wert an sich.
Bei dem genannten Paradigmenwechsel wurde diese Wesenheit von den Dingen getrennt. Es wurde nur noch als wahr akzeptiert, was messbar war. Hieraus ist unsere heutige Sicht der Dinge entstanden. Den Wert z.b. eines Waldes messen wir an seinem Nutzen: Erholungsmöglichkeit, Holzlieferant, Luftreinigungsfunktion, Wasserspeicher, etc.
Möglicherweise würden wir einige zukünftige Umweltprobleme vermeiden können, wenn wir den natürlichen Dingen wieder eine eigene Daseinsberechtigung zusprechen würden.
Zum Beispiel sieht ja die EU-Wasserrahmenrichtlinie vor, alle Fliessgewässer wieder in einen naturähnichen Zustand zurück zu versetzen - um in Zukunft die Hochwasser zu vermeiden, die durch die Kanalisierungen der letzten Jahrzehnte entstanden sind.
Das ist eine sehr teure Maßnahme. Auch die Hochwässer sind sehr teuer. Beides hätte man sich erspart, wenn man die Gewässer im natürlichen Zustand belassen hätte.
So etwas wird man aber nicht tun, wenn man ein Gewässer nur nach seinem messbaren Nutzen beurteilt. Als wir vor ein paar Jahrzehnten anfingen unsere Fließgewässer in großem Stil zu Kanalisieren, sahen wir nur den Nutzen der Begradigungen. Die Folgen konnten wir nicht vorraussehen. Man kann halt nicht in die Zukunft schauen, sondern nur im Nachhinein aus Fehlern lernen.
Da wir mit immer wirkungsvollerer Technologie aber immer teurere Fehler machen können, ist es möglicherweise an der Zeit ein Regulativ einzubauen. Den natürlichen Dingen einen Wert an sich zuzuschreiben würde sich da anbieten.