Nachdem ich regelmäßig und lange über diesen Themenkomplex nachgedacht habe, möchte ich meine Schlussfolgerungen und auch die Herleitung hier noch einmal darlegen (in der leisen Hoffnung, dass über eine Suchmaschine doch der eine oder andere Verantwortungsträger oder jemand, der sich mit dieser Thematik befasst, das liest und mir ein qualifiziertes Feedback gibt).
Die vorrangige Aufgabe der Politik, wie ich sie verstehe, ist es, die für alle Lebewesen notwendigen Lebensgrundlagen zu erhalten, zu verteidigen oder wiederherzustellen.
In diesem Sinne ist Politik auch stets Problemvermeidungs- und Problemlösungspolitik zu Gunsten des Lebens auf unserem Planeten. Dies bedeutet in der Konsequenz auch die Aufgabe, menschliches Verhalten dort zu verändern, wo es sich als schädlich für diese Lebensgrundlagen erweist. Wobei der Einzelne für sich selbst klar unterscheiden muss, wie weit sein Veränderungspotential geht. Es macht wenig Sinn, gegen die Verschmutzung eines Flusses in China zu demonstrieren, wenn ich gleichzeitig Produkte kaufe, die zur Verschmutzung dieses Flusses beitragen.
Wird also die Lösung vorhandener und die Verhinderung künftiger Probleme als Kernaufgabe der Politik verstanden, stellen sich automatisch zwei Fragen: a) welche Probleme durch die Politik überhaupt beeinflussbar sind und b) ob es vielleicht ein Problem gibt, das in einer gedachten Problemhierarchie einen Spitzenplatz einnimmt und somit unsere besondere Aufmerksamkeit verdient?
Al Gore etwa sieht - wie viele andere Politiker und Wissenschaftlicher auch - dieses Spitzenproblem im steigenden CO2-Ausstoß durch menschliche Aktivitäten, weil durch die Erwärmung der Atmosphäre zahlreiche Probleme entstehen, die ohne sie nicht entstehen würden. Trotz der überwältigenden weltweiten Zustimmung scheint es jedoch ein noch darüber stehendes, prinzipiell lösbares Problem zu geben, das direkten Einfluss auf den CO2-Ausstoß und gleichzeitig viele andere dringend zu lösende Probleme hat, nämlich die Anzahl der Menschen, die unseren Planeten bewohnen und in der Weise bewirtschaften, wie sie es heute tun. Weil aber nicht damit zu rechnen ist, dass sich die Wirtschafts- und Lebensweise unserer Spezies ändert, macht es wenig Sinn, hier den Hebel für eine Lösung anzusetzen und etwa auf einen weltweiten Trend zu energiesparendem, veganen und CO2-Ausstoß-armen Lebensstil zu hoffen, sondern auf eine Reduzierung der Bewohneranzahl zu setzen. In der Natur geschieht dies automatisch (außer bei uns Menschen) durch natürliche Feinde, die sich vermehren, sobald eine einzelne Spezies sich zu stark vermehrt (im Regelfall).
Da wir Menschen aber keinen klar erkennbaren natürlichen Feind mehr haben, der unsere Vermehrung zu bremsen scheint, neigen wir dazu, unsere Ausbreitung durch immer bessere Technik und immer stärkere Ausbeutung der natürlichen Ressourcen (auch der fossilen und damit endlichen) zu ermöglichen. Doch da diese fossilen Ressourcen, auf denen ein großer Teil unseres Lebens aufbaut, auf jeden Fall endlich sind, wird früher oder später der Punkt erreicht sein, an dem kein Wachstum mehr möglich ist, eben weil nicht mehr auf die während der Erdgeschichte angesammelten fossilen Energieträger oder auf abbaubare Düngemittel zurückgegriffen werden kann. Spätestens dann wird die Anzahl der Menschen, die auf der Erde leben können, durch regenerative Ressourcen begrenzt sein. Dies wird aller Wahrscheinlichkeit nach dazu führen, dass keine zehn oder sieben, sondern eher eine Milliarden Menschen auf der Erde friedlich miteinander leben können, vielleicht sogar weniger.
Diesem Gedankengang folgend scheint es sinnvoll, schon lange bevor diese Wachstumsgrenze und die Erschöpfung der endlichen Ressourcen erreicht ist, darauf zu drängen, die Anzahl der lebenden Menschen deutlich zu verringern. Wenn wir dies nicht aus Einsicht und Vernunft tun, wird nämlich automatisch und unausweichlich der Gang der Dinge, der durch Physik, Biologie und Mathematik bestimmt ist, die Menschheit auf jeden Fall dezimieren - und vermutlich auf keine Art, die wir als angenehm und wünschenswert erleben würden (Verteilungskriege, Krankheiten, Hungersnöte usw.).
Angenommen also, das Ziel wäre, die Anzahl der Menschen auf der Erde auf eine Milliarde zu reduzieren - und zwar auf eine vertretbare Weise - bleibt nur eine Möglichkeit: die drastische Reduzierung der Geburtenrate.
Eine vereinfachte Modellrechnung, die von 7000 Menschen als "Inselbewohner" ausgeht (also die Zahl der derzeitigen Menschen um den Faktor ein Million reduziert), zeigt grob, wie es gehen könnte:
Von diesen 7000 Menschen sterben jedes Jahr ungefähr 100 und 110 werden geboren. Würden jedoch nur noch 10 Kinder geboren, ginge die Anzahl der Inselbewohner jährlich für lange Zeit um 90 zurück. Das Ziel, statt 7000 nur noch 1000 Inselbewohner zu haben, wäre rein rechnerisch so nach knapp 67 Jahren erreicht, bei 20 Kindern nach 75 Jahren, bei 50 Kindern nach 120 Jahren. Passend scheint, die Anzahl der jährlich geborenen Kinder mit dem angestrebten Reduzierungsfaktor in Relation zu setzen, so dass bereits vorher so viele Kinder geboren werden wie später, bei Erreichen der erwünschten Bevölkerungszahl, normalerweise geboren würden, also bei angestrebten 1000 Bewohnern und einer ungefähren jährlichen Sterbezahl von 14 Personen jährlich auch die Anzahl von 14 Geburten jährlich vorzugeben. Dann würde es ca. 86 Sterbefälle mehr geben als Geburten und schon nach 70 Jahren wäre das Ziel von 1000 Bewohnern erreicht. Diese würden dann auch eine natürliche und gleichmäßige Altersverteilung aufweisen.
Die Geburtenrate müsste als um den Faktor 8 gegenüber der bisherigen Anzahl verringert werden. Das dürfte nur durch eine enorme Anstrengung, umfangreiche Aufklärung und materielle Anreize erreicht werden, auch im Hinblick auf diejenigen Rentensysteme, die auf eine gleichbleibende oder sogar wachsende Bevölkerungszahl setzen.